Eigentlich ist der Sommer im TV traditionell die Zeit für Wiederholungen, doch das ZDF tanzt dabei seit einigen Jahren aus der Reihe.
In den lauen Sommernächten wartet im Zweiten die ein oder andere Entdeckung auf die Fernsehzuschauer: Dieses Jahr gibt es unter dem Motto “Shooting Stars” sechs Filme junger Regietalente zu sehen, die alle schon im Kino Premiere hatten. Damit wird die Sommerreihe “Gefühlsecht” unter neuem Namen fortgesetzt.
Mit den “Shooting Stars” will das ZDF eine Plattform für das junge Kino bieten und das Publikum mit den Regie-Stars von Morgen bekannt machen – wie Baran bo Odar, dessen Film “Das letzte Schweigen” am Freitag, 6. Juli, um 23.30 Uhr, im ZDF zu sehen ist: Er arbeitet derzeit an einem Projekt für Hollywood.
Baran bo Odars düsteres Thrillerdrama, das 2010 gut 20.000 Kinozuschauer sehen wollten, lief auf internationalen Festivals und beeindruckte die Kritiker: Das US-Branchenmagazin Variety führte den Regisseur 2011 als vielversprechenden Newcomer unter “10 Directors To Watch”. Nicht zuletzt ist der Erfolg der Romanverfilmung nach Jan Costin Wagner auch dem Darstellerensemble zu verdanken: Neben Ulrich Thomsen, Sebastian Blomberg und Katrin Sass ließ sich Wotan Wilke Möhring für das Projekt begeistern. Ein Glücksgriff, denn dessen Darstellung eines Familienvaters mit pädophilen Neigungen, der von seiner Vergangenheit als Mitwisser eines Mordes eingeholt wird, geht unter die Haut.
“Die Shooting Stars unserer Reihe besitzen eine starke eigene Regiehandschrift, überzeugen mit ungewöhnlichen Ideen und Durchsetzungsvermögen”, verspricht Claudia Tronnier, die Leiterin der zuständigen ZDF-Redaktion. “Sie werden – davon sind wir überzeugt – auch in Zukunft von sich reden machen.” Aufbleiben lohnt sich also auch für die weiteren Filme der Reihe, die, immer zu später Stunde, die Bandbreite des aktuellen deutschsprachigen Kinos zeigen: Von der leichten Komödie bis zum Psychothriller ist alles dabei.
Den Auftakt macht mit “Schwerkraft” (2009, Montag, 25. Juni, 00.00 Uhr) ein Film, der die Genregrenzen zwischen Drama und Komödie überschreitet. “Ausgangspunkt war die Frage, was einen Mann, der eigentlich alles hat, was der ‘moderne Mensch’ braucht, dazu bringen kann, ganz bewusst kriminell zu werden.
Und zwar nicht aus materiellen Gründen, sondern einzig und allein wegen der Grenzüberschreitung an sich”, erklärt Regisseur Maximilian Erlenwein die Idee hinter seinem Langfilmdebüt, das 2010 mit dem Max Ophüls Preis ausgezeichnet wurde. Fabian Hinrichs übernahm dabei die Rolle des “Mannes, der eigentlich alles hat”: Nachdem sich ein Kunde vor den Augen des Bankers Frederik Feinermann erschossen hat, spürt dieser den Drang, sein Leben zu verändern. Ex-Knacki Vince, der von Jürgen Vogel verkörpert wird, soll ihm helfen, eine kriminelle Karriere zu starten.
Reichlich vertreten ist bei den “Shooting Stars” das Genre der Culture-Clash-Komödie: In “Polnische Ostern” (Freitag, 29. Juni, 23.30 Uhr) schickt Regisseur Jakob Ziemnicki Henry Hübchen mit jeder Menge Vorurteilen im Gepäck nach Polen. “Fernes Land” (Montag, 2. Juli, 0.30 Uhr), der Debütfilm des indischen Regisseurs Kanwal Sethi, lässt dagegen einen Deutschen (Christoph Franken) und einen illegalen pakistanischen Einwanderer (Atta Yaqub) im nächtlichen Leipzig aufeinandertreffen.
Leichte Kost verspricht die romantische Komödie “Madly in Love – Verrückt nach Liebe” (Montag, 9. Juli, 0.10 Uhr): Regisseurin Anna Luif erzählt die Geschichte des tamilischen Einwanderers Devan (Muraleetharan Sandrasegaram), der sich in der Schweiz in die alleinerziehende Leo (Laura Tonke) verliebt, obwohl seine Familie nach traditioneller Sitte schon eine Braut für ihn bestimmt hat. Tanzeinlagen und knallbunte Kostüme bringen dabei einen Hauch von Bollywood in die Alpen.
Zum Abschluss der “Shooting Stars”-Reihe wartet am Freitag, dem 13. Juli, um 23.30 Uhr, noch ein fesselndes und beklemmendes Highlight. Für seinen Psychothriller “Davon willst du nichts wissen” (2011) ließ sich Regisseur Tim Trachte von Hitchcock inspirieren. Er zeigt, wie eine einzige Fehlentscheidung einen gut situierten Arzt und Familienvater (Andreas Lust) völlig aus der Bahn wirft: Er verschuldet einen tödlichen Unfall, den er zu vertuschen versucht. Doch es gibt einen Zeugen, und das geordnete Leben des Durchschnittsbürgers gerät mehr und mehr aus den Fugen.
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