Nur von wenigen Filmen lässt sich behaupten, dass sie nachhaltig etwas verändert oder Maßstäbe gesetzt haben. Bei “Matrix”, mit Keanu Reeves, geht das in Ordnung.
Den Gebrüdern Andy und Larry Wachowski gelang 1999 ein intelligenter Science-Fiction-Thriller, der die Grenzen der Vorstellungskraft in neue Ebenen verlegt, mit bahnbrechenden Effekten aufwartet und darüber hinaus eine Ästhetik an den Tag legt, die sich wohl mit nur einem Wort beschreiben lässt: cool. ProSieben wiederholt am Freitagabend (22.06., 20.15 Uhr) nun das Meisterwerk mit Keanu Reeves in der Hauptrolle, das weltweit fast eine halbe Milliarde Dollar einspielte.
Zugegeben, es dauert ein wenig, ehe sich die Antwort auf die Frage “Was ist die Matrix?” verstehen, geschweige denn akzeptieren lässt. Um es kurz zu machen: Die Welt, in der die Menschen einer fernen Zukunft leben, ist eine Illusion. Computergesteuerte Sinneswahrnehmungen und Gefühle, die nichts mit der Realität gemein haben und die Menschen von ihrem wahren Schicksal als Batterie im Dienste einer Maschinenmacht ablenken sollen. Ein Gefängnis der Gedanken, wenn man so will. Wie Fernsehen, nur echter.
Schlüssel zum Verständnis ist der Computerexperte Neo (Keanu Reeves), der eines Tages mit dieser anderen Wahrheit konfrontiert wird. Einige Rebellen, die gegen die Ausbeutung kämpfen, erklären sie ihm, und es braucht seine Zeit, ehe er ihnen folgen kann. Doch dann ist auch der skeptischste Betrachter in den Bann des Films gezogen. Alles scheint plötzlich logisch, nachvollziehbar in jedem Fall. Die Rebellen, geleitet von ihrem mysteriösen Anführer Morpheus (Laurence Fishburne), glauben in Neo den angekündigten Erlöser gefunden zu haben, der die Welt vom Joch der Maschinen befreien kann.
“Matrix” ist ein metaphernreiches Spektakel, das einen jahrhundertealten philosophischen Topos brillant ins Cyber-Zeitalter überführt: Wie können wir wissen, ob wir tatsächlich die Realität wahrnehmen, wenn unsere Sinneseindrücke manipulierbar sind? In “Matrix” fallen die Gesetze der Natur schneller als die Hülsen der zahllosen Patronen, die Neos Weg ebnen.
Doch trotz bahnbrechender Special Effects und berauschender Martial-Arts-Choreografien ist den Wachowski-Brüdern ein nachdenkliches, fast melancholisches Action-Meisterwerk gelungen. Ganz anders als bei den Fortsetzungen “Matrix Reloaded” und “Matrix Revolutions” (im Anschluss, um 22.45 Uhr, ProSieben), jenen ermüdenden, tricktechnisch überladenen Spektakeln, die die Neo-Saga vier Jahre später zu einer parareligiösen Erlösungsoper aufblähten.
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