Jeannine Michaelsen: Während der Fußball-EM die personifizierte Webkompetenz des ZDF

Ist während der Fußball-EM 2012 beim ZDF für die Verknüpfung von Internet und Fernsehen zuständig: Jeannine Michaelsen. Dass Oliver Kahn unter die Twitterer gegangen ist, ist ihr zu verdanken: Michaelsen hat dem Ex-Nationaltorwart und ZDF-Fußballexperten Lust auf einen eigenen Twitter-Account gemacht.

Am Montagabend präsentierte sie am ZDF-Fußballstrand auf Usedom, was die EM-Spieler die Netzgemeinde so alles wissen lassen, wenn sie gerade nicht auf dem Platz stehen. Oliver Kahn fand das so spannend, dass er kurzerhand das Versprechen abgab, auch mal einen Tweet zu posten – dieses Versprechen löste er am Mittwoch nach dem Deutschlandspiel auch direkt ein.

Die 30-jährige Jeannine Michaelsen, die sonst das ARTE-Magazin “X:enius” sowie die beiden ZDFinfo-Formate “log in” und “SportXtreme” moderiert, freut sich besonders darüber, dass Kahn auch weiterhin bei Twitter aktiv sein wird – schließlich ist es ihr Ziel, die Menschen für die Online-Welt zu begeistern. Während der EM ist die Kölnerin im ZDF als “Verknüpfungsstelle zwischen Fernsehen und Internet” im Einsatz.

Frage: Frau Michaelsen, hat Oliver Kahn schon einen Twitter-Schnellkurs von Ihnen bekommen?

Michaelsen: Wir sind die kleinen Besonderheiten kurz durchgegangen, ja. Aber in 140 Zeichen schreiben konnte er vorher schon (lacht).

Frage: Waren Sie für den Twitter-Kurs überhaupt die Richtige? Ihr eigener Account ist kein halbes Jahr alt …

Michaelsen: Es gibt sicher mindestens 184.923 Menschen, die das qualifizierter machen würden als ich (lacht). Aber ich wollte Olli nicht die Welt von Twitter erklären, sondern zeigte ihm lediglich, wie man einen Tweet verfasst. Mit Twitter selbst befasse ich mich schon seit mehr als einem halben Jahr (lacht). Den Account mit meinem echten Namen gibt es aber in der Tat erst seit April. Vorher habe ich unter einem Pseudonym ausschließlich gelesen. Momentan lese ich übrigens auch viel: Die zahlreichen Blog-Beiträge der ZDF-Zuschauer!

Frage: Die Beiträge fließen dann auch in die Live-Berichterstattung ein, richtig?

Michaelsen: Natürlich, sonst wäre das ja witzlos. Wir können natürlich aus Zeitgründen nicht alles in die Sendung nehmen. Zum Glück haben wir noch unseren Blog – da finden die guten Sachen auf jeden Fall einen Platz.

Frage: Sie sind also nicht nur damit beauftragt, sich im Internet nach aktuellen Fußball-News umzusehen?

Michaelsen: Ich bin keine Webreporterin, nein. Ich versuche, Inhalte aus dem Netz für alle Zuschauer verständlich zu präsentieren. Als eine Art Verknüpfungsstelle zwischen Internet und dem Fernsehpublikum jeden Alters.

Frage: Was ist Ihre konkrete Aufgabe?

Michaelsen: Natürlich schaue ich auch, was die Profis so bei Twitter und Facebook treiben. Aber mein Hauptanliegen ist es, fussballbezogene Inhalte zu finden, eine Art Netzschau zum Fußball zu machen. Und wir möchten den Zuschauern die Möglichkeit zum Partizipieren geben.

Frage: Warum ist das so wichtig?

Michaelsen: Ich glaube, dass das Zusammenspiel von Internet und Fernsehen immer selbstverständlicher werden sollte. Diese Verknüpfung bietet einfach tolle Chancen: Wenn die Zuschauer uns beispielsweise interessante Fußball-Links schicken, haben wir auf einmal eine riesige Online-Redaktion. 100.000 User sehen mehr als die paar Leute vom ZDF, die auf Usedom sitzen. Das ist eine unglaubliche Bereicherung: Wir wollen schließlich nicht Twitter und Co. promoten, sondern zeigen, was rund um das Thema Fußball im Internet passiert.

Frage: Dabei sind die Tweets der Fußballer mitunter wirklich unterhaltsam!

Michaelsen: Absolut. Die deutsche Mannschaft hält sich allerdings sehr zurück. Ich glaube, die Jungs konzentrieren sich auf das Wesentliche. Das würde ich an ihrer Stelle genauso machen.

Frage: Haben Sie eigentlich mit so viel Zuschauer-Feedback auf die Internet-Aktionen gerechnet?

Michaelsen: Dass es jetzt so knallt, überrascht mich durchaus. Damit konnten wir nicht rechnen, denn die Internet-Geschichte ist ein kleines Experiment. Die Verknüpfung von Internet und Fernsehen wird oft kritisch beäugt. Oftmals wird in diesem Zusammenhang mangelnde Glaubwürdigkeit unterstellt. Dass es jetzt bei einem Großereignis wie der EM so gut funktioniert, freut mich total.

Frage: Was hat es denn mit der mangelnden Glaubwürdigkeit auf sich?

Michaelsen: Es ist wichtig, dass derjenige, der das Thema Internet in einer TV-Sendung verkauft, vermittelt, dass das Netz eine Welt ist, in der er sich nicht erst seit gestern bewegt. Das bedeutet nicht, dass da der Erfinder des Netzes auf der Bühne stehen muss oder es sich um einen IT-Experten handeln sollte. Ich habe auch nicht Informatik studiert, hatte aber in den vergangenen Jahren sehr viel mit dem Internet zu tun. Nicht nur privat, sondern auch beruflich. Was natürlich nicht heißt, dass ich allwissend und frei von Fehlern bin (lacht).

Frage: Sie moderierten das Internet-Format “Ehrensenf”.

Michaelsen: Das war eine Internetsendung, die 2005 an den Start ging und ausschließlich mit Netzinhalten gefüllt war. Bei meiner Arbeit während der Fußball-EM geht es jetzt natürlich darum, den richtigen Mittelweg zwischen gewöhnlicher Berichterstattung und Internet-Inhalten zu finden.

Frage: Weil sie nicht nur junge, sondern auch ältere Zuschauer haben …

Michaelsen: Genau. Die jüngeren Generationen sind natürlich aktiver im Netz – wobei ich nicht sagen würde, dass sich nicht auch die weniger internetaffinenen Zuschauer für die Auswertungen unserer Online-Redaktion begeistern können. Man muss kein Experte sein, um Spaß an den Inhalten zu haben.

Frage: Was denken Sie als Internet-Expertin eigentlich über das Ende von “Gottschalk Live”?

Michaelsen: Ich bin keine Internet-Expertin – und wollte das auch nie sein! Gegen den Stempel wehre ich mich vehement. Ich bin Moderatorin. Und ich bin Nutzer, der Inhalte aus der einen Welt in die andere einfließen lassen möchte. Weil es mich wirklich interessiert, was im Netz passiert. Und genau darum geht es: um Glaubwürdigkeit. Auch bei Thomas Gottschalk, der ohne Zweifel einer der größten deutschen Showmaster ist. Ich habe ihm aber nicht zwingend geglaubt, dass er sich gerne im Netz bewegt. Mir fehlte da kein Expertenwissen, sondern die Begeisterung für die Möglichkeiten des Internet. Ich hatte einfach das Gefühl, dass jemand sagte: Thomas, das ist jetzt “in”, das musst du machen.

Frage: Die Zuschauer erwarten aber eine gewisse Begeisterung des Moderators?

Michaelsen: Mir geht es auf jeden Fall so. Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass auch viele andere Zuschauer nicht gerade denken: Wenn einer Internet kann, dann aber Thomas Gottschalk! Das fühlte sich einfach nicht echt an.

Frage: Internet und Fernsehen werden künftig also weiter verschmelzen?

Michaelsen: Das hoffe ich sehr stark! Und ich finde das auch prima: Das Internet gibt Leuten eine Stimme, die sie sonst im Fernsehgeschäft nicht bekommen. Nehmen wir die ZDF-Berichterstattung zur EM. Es finden doch sicher viele Zuschauer gut, dass ihre Beiträge zur Mannschaftsaufstellung von Oliver Kahn kommentiert werden!

Frage: Werden Sie sich nach der EM eigentlich ein paar Tage ohne Internet gönnen? Oder können sie nicht ohne?

Michaelsen: Ich kann zum Glück ganz wunderbar ohne! Da greifen doch die schönen, wahren Floskeln: Es gibt so tolle Dinge im Leben – Freunde, Familie oder auch Sport. Vier Wochen ohne Internet sind für mich kein Problem.




1 Kommentar zu “Jeannine Michaelsen: Während der Fußball-EM die personifizierte Webkompetenz des ZDF”

  1. Tina Heinrich sagt:

    Ich habe seit 1996 ein Paar Turnschuhe, die ich damals sogar in England bei den Spielen im Stadion anhatte….und damals wurde ja Deutschland Europameister…..also lange Rede, kurzer Sinn :-) Kaum hatte ich heute die Schuhe an, stand es für Deutschland auch schon 2:1.
    Werde sie jetzt doch immer tragen….


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