Harald Glööckler ist kein Freund von Berufsbezeichnungen. Ihm schmeckt es nicht, wenn man ihn Designer, Maler, Autor oder Unternehmer nennt – obwohl der 47-Jährige natürlich sehr wohl designt, malt, schreibt und auch sonst recht viel unternimmt.
Aber Glööckler will sich nicht auf eines seiner Talente beschränken lassen und legt seinen Mitmenschen daher ans Herz, doch bitte stets das große Ganze im Blick zu haben. “Ich bin ein Gesamtkunstwerk”, sagt der Mann, der mit seiner Modemarke “Pompöös” die Homeshopping-Kanäle dieser Welt eroberte und nun von vox eine Personality-Dokureihe spendiert bekommt.
Ab 3. Juli gewährt “Glööckler, Glanz und Gloria” bei vox einen Blick hinter die gebotoxte Fassade des Wahlberliners. Dass sich ein Fernsehsender für sein glanzvolles Leben interessiert, überrascht Glööckler nicht: “Ich bin eine Persönlichkeit. Und von denen gibt es heute nur noch wenige.”
Eine Personality-Show für eine Persönlichkeit – das klingt doch einleuchtend. Wie praktisch für vox, dass es sich bei Harald Glööckler auch noch um eine prominente Persönlichkeit handelt: Viele deutsche Zuschauer scheinen sich schließlich tatsächlich darüber zu freuen, wenn sie Gelegenheit bekommen, einem Promi beim Prominentsein zuzuschauen.
Promi? Prominentsein? Auch das sind Worte, die Harald Glööckler gar nicht gerne hört. Nicht etwa, weil ihnen das Doppel-ö fehlt, sondern vielmehr, weil Promis nicht mehr das sind, was sie früher einmal waren: “Prominent ist heute jeder. Jeder Koch, der ins Fernsehen geht, oder jeder, der in irgendeiner Show etwas Blödes von sich gibt. Insofern ist es eher eine Schande, wenn man prominent ist.” Ob dieses Urteil auch für prominente Gesamtkunstwerke gilt?
Apropos Gesamtkunstwerk. Dass Harald Glööckler mit vielen Talenten gesegnet ist, deutete sich bereits in seiner Kindheit an: Der in der Nähe von Maulbronn (Baden-Württemberg) geborene Modeliebhaber war sieben Jahre alt, als er sein erstes Kleid entwarf. “Ich träumte davon, alle Frauen schön zu machen, wollte, dass keine mehr weint”, erinnert sich Glööckler heute. Diese ernsteren Töne lassen sich durch seine eigene Vergangenheit erklären – der ehemalige “Let’s Dance”-Juror beschreibt in seiner Autobiografie “Harald Glööckler” ausführlich, wie brutal sein alkoholabhängiger Vater zu seiner Mutter war.
Seine ernstere, nachdenklichere Seite kommt auch in der vox-Dokureihe zum Vorschein – in kleinen Dosen allerdings. So hat Harald Glööckler beispielsweise sehr damit zu kämpfen, dass sein langjähriger Lebensgefährte Dieter Schroth aufgrund eines Rückenleidens nicht mit zu einer Modenschau kommen kann. “The Prince Of Pompöös” (so nennt sich Glööckler auf seiner Homepage) bemüht sich dennoch, den prunkvollen Schein zu wahren. Er weiß, dass besonderer Erfolg besonderen Einsatz erfordert: “Wenn man erfolgreich sein will, muss man mehr leisten als andere.”
Harald Glööckler ist insbesondere für sein – sagen wir – außergewöhnliches Aüßeres bekannt. Viel Bling-Bling, ein rabenschwarzer Bart, XXL-Make-up und diverse Schönheits-Eingriffe (von der Botox-Behandlung bis zur Fettabsaugung ist alles dabei!) kennzeichnen sein Erscheinungsbild und sorgen dafür, dass Glööckler als Paradiesvogel wahrgenommen wird. Er selbst bezeichnet sich als extravagant und sagt: “Nur so hat man eine Chance. Man muss sich aus der Masse hervorheben.”
Wie es aussieht, wenn Harald Glööckler sich hervorhebt, konnten die TV-Zuschauer bereits im Januar in Erfahrung bringen: Die Doku “Herr Glööckler zieht um”, die vox am Samstag, 30. Juni, 22.05 Uhr, wiederholt, begleitete den Hundefreund beim Umzug von Berlin-Charlottenburg nach Berlin-Mitte, wo der Modezar nun gemeinsam mit seinem Lebensgefährten und Zwergspaniel Billy King “Unter den Linden” in einem 1.400 Quadratmeter-Reich lebt. Unter anderem 100 Spiegel, 40 Sessel, 40 Kronleuchter und 100 Engelsfiguren mussten von A nach B transportiert werden. Klingt strapaziöös? War es auch – aber es hat sich gelohnt: Harald Glööckler residiert jetzt pompööser denn je. So wie sich das für ein Gesamtkunstwerk gehört.
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